Trainer im Gespräch

"Die Meisterschaft möchte ich bei dem jetzigen Modus noch nicht in den Mund nehmen"

28. Oktober 2020, 12:39 Uhr

TuS Trainer Dennis Hustadt hat derzeit einigen Grund zu applaudieren

Der TuS Bad Driburg war im Sommer schwer aktiv auf dem Transfermarkt. Das Ziel lautet Bezirksliga und der TuS Express ist auf einen guten Weg. Und das der Zug weiterhin in die richtige Richtung fährt, dafür ist Coach Dennis Hustadt verantwortlich. Wir haben uns mit dem "Lokführer" vom TuS Express unterhalten. 

Dennis, wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf der Saison ?

Dennis Hustadt: "Unter Berücksichtigung aller Umstände, bin ich bisher zufrieden. Wenn man bedenkt, dass wir 2 sehr wichtige Spieler ersetzen mussten, war es klar, dass in den ersten Spieler noch nicht alles zu 100 % klappt.
Viktor Schmidt der 70% unserer Tore in der letzten Saison erzielte und unseren Kapitän Giovanni Carmisciano, dessen Rückkehr fraglich ist, waren Säulen der Mannschaft. Natürlich haben wir uns auch gut verstärkt, doch die Verantwortungen müssen anders verteilt werden und das dauert seine Zeit. Neben Giovanni, sind auch wichtige Spieler wie Marc Düsing, Hendrik Jacobi, Luca Baibara und Mo Alali verletzungsbedingt kaum dabei gewesen. Somit hoffen wir nach der Winterpause auf noch mehr Qualität im Kader.

Die Meisterrunde wird es definitiv werden. Sicherlich nur ein Zwischenstep für das große Ziel Meisterschaft?

Dennis Hustadt

Dennis Hustadt: "Wir sind in einer ganz guten Ausgangslage. Wenn wir das Niveau der letzten beiden Spiele halten, sollte die Meisterrunde zu schaffen sein. Die Meisterschaft möchte ich bei dem jetzigen Modus noch nicht in den Mund nehmen. Wer weiß, welches Team mit wie vielen Punkten in die Endrunde geht. Da ja nicht alle Punkte mitgenommen werden, gibt es jetzt in der Vorrunde entscheidende Spiele, die man gewinnen muss. Sollten bei uns Germete und Kollerbeck die Endrunde einziehen, fehlen uns 4 Punkte, da wir hier nur Unentschieden spielten.
Also könnte ein Team aus der anderen Gruppe mit 3, 6 oder 9 Punkten Vorsprung in die Endrunde gehen. Spannend auf der einen Seite, aber aus heutiger Sicht ist der Ausgang der Meisterschaft kaum planbar. Natürlich wollen wir aber um den Titel mitspielen."

Du betonst immer, das die Entwicklung der Mannschaft für dich ein prägender Punkt ist. Defensiv und Offensiv verfügt Ihr in der Gruppe über Bestwerte. Was gilt es dennoch zu verbessern?

Dennis Hustadt: "Es hört sich wie eine Floskel an, dass die Entwicklung im Fokus steht. Das sagt ja so ziemlich jeder Trainer. Konkret ist damit gemeint, dass bei einer Betrachtung der Saison nicht immer die 3 Punkte das unmittelbare und einzig anzustrebende Ziel sein darf. Ordne ich alles nur dem Sieg unter, ist die Denkweise zu kurzfristig und lässt keinen Raum für Entwicklungen. Seit über 2 Jahren sind wir dabei, so etwas wie eine eigene Spielidentität zu entwickeln. Von einem A-Liga Abstiegskandat mit einem 18 er Kader und 8 bis 12 Spielern beim Training, stehen wir nun mit einem 26 iger Kader und Ambitionen auf den Titel da und trainieren nie unter 14 Spielern. Bei 2 Trainingseinheiten in der Woche und Fussball als Hobby, dauern Entwicklungen länger als im Profi Bereich.
Die Zuschauer und der Vorstand haben die Entwicklungen am deutlichsten beim 5 zu 0 Heimsieg gegen Stahle gesehen. Das war schon über 45 Minuten nahe am Optimum. Aber hier war das Ergebnis die Folge der Spielweise. Wir haben nicht das Ergebnis vorgegeben, sondern die Spielweise. Verbesserungswürdig ist, das Selbstverständnis, jedes Spiel so engagiert zu bestreiten wir die letzten beiden Spiele. Einstellung ist immer die Basis. Spielqualität muss dann darauf aufsetzen. "

Wen hast du für die mögliche Meisterrunde als Konkurrenten um den Aufstieg auf dem Zettel ?

Dennis Hustadt: "Vinsebeck, Warburg und TiG Brakel sind aus der Gruppe 2 wohl in der Endrunde. Bei uns sehe ich Bühne und Stahle dabei. Wer dann dort im Rennen ist, kann durch eine Konstanz und Glück bei Verletzungen die Meisterschaft erreichen. Einen einzigen Favoriten sehe ich nicht."

Was hat dich bisher am meisten beeindruckt bei deiner Mannschaft ?

Dennis Hustadt: "Durch unseren großen Kader kommt es immer wieder dazu, dass Spieler nicht zum Einsatz kommen oder nicht im Kader sind. Es ist nicht selten so, dass dann schnell große Unzufriedenheit aufkommt, betroffene Spieler negativ sind und abwandern wollen, bzw. im Training nicht alles geben. Bei uns ist das anders. Hier werden auch von der Bank und von der Tribüne die Siege mitgefeiert. Unsere verletzten Spieler reisen mit Krücken zu jedem Auswärtsspiel teils mit Partner. Somit ist der gelebte Teamgedanke das, was mich am meisten beeindruckt."

Wie verfolgst du die aktuelle Situation bezgl. Corona und Fussball im Kreis Höxter ?

Dennis Hustadt: "Es war ja abzusehen, dass auch in unserem Kreis die Zahlen steigen und es immer ernster wird. Wir haben schon vor 1 Woche reagiert und das Mannschaftstrainig eingestellt. Wir halten uns über eine Lauf App fit. Wir haben einen kommenden Vater in der Truppe und Jungs, die sich beruflich und privat keine Quarantäne oder sogar Ansteckungen leisten können. Demenstprechend unverständlich finde ich es, wenn man hört, dass sich bei uns im Kreis und darüber hinaus, immer wieder Personen bei privaten Feiern anstecken und andere dadruch gefährden. Die Folgen sochen Verhaltens sind so immens, dass es mir als Trainer und Vater nicht in den Kopf geht, warum so etwas noch möglich ist und es keine härteren Strafen gibt.
Für unseren Verein kann ich sagen, dass die Mannschaften und der Vorstand bereits im Frühjahr innerhalb weniger Tage ein Hygienekonzept erarbeitet und umgesetzt haben. Zudem haben wir ein Online Ticket eingeführt zur Verkürzung von Wartezeiten. Ich glaube, dass der Verein hier bestens aufgestellt ist, da viele Leute mit anpacken.
Spannend wird es aber, wie dann Staffelleitung und Sportgerichte entscheiden, wenn wegen Verdachtsfällen Spiele abgesagt werden oder nicht ohne eigenen Schaden abgesagt werden können (siege Beispiel Borgentreich- Lemgo).
Auf der einen Seite muss man Spieler schützen, auf der anderen Seite darf man es Vereinen nicht zu einfach machen, Spiele absagen zu können, wenn einige Spieler aus anderen Gründen fehlen..."

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