Trainer Aussage

"Dürfen nicht vergessen das wir eine No-Budget Truppe haben"

16. November 2021, 09:38 Uhr

Der Coach der SG Hid/Hei ist immer mit viel Herzblut bei der Sache

In der Bezirksliga Staffel 3, rangiert die SG Hiddesen-Heidenoldendorf nach dem 12. Spieltag auf einem hervorragenden vierten Tabellenplatz. Was möglich ist in dieser Spielzeit und wie er den bisherigen Saisonverlauf einschätzt, darüber hat sich FubaNews mit Cheftrainer Markus Rüschenpöhler unterhalten.

FubaNews: Markus, zuletzt konntet ihr euch mit vier Siegen bei nur einem Gegentreffer bis auf Platz vier vorschieben. Was macht die aktuell gute Form der SG aus und wie zufrieden bist du mit der Saison allgemein?

Markus Rüschenpöhler: Das ist eine gute Frage, die ich tatsächlich nur schwer konkret beantworten kann. In den letzten Spielen standen wir defensiv stets stabil, was eine Basis für erfolgreiche Ergebnisse darstellt. Vorteilig war zudem, dass wir in den Spielen gegen Lipperreihe, Detmold und Borgentreich einen relativ identischen Kader und damit eine weitestgehend konstante Startformation hatten.


Schaut man auf die Tabelle, die uns natürlich auch nicht verborgen bleibt, dann sieht ein vierter Tabellenplatz für eine Mannschaft wie die unsrige sehr gut aus. Daher können wir mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein, wenngleich wir erst elf Spiele absolviert haben, von denen wir in mindestens vier Spielen (in Jerxen-Orbke, in Lemgo, in Dringenberg und zuletzt in Brakel) keine gute Leistung gezeigt haben. Diese Quote ist zu hoch. Die Heimspiele waren größtenteils überzeugend.

Am Sonntag sprachst du trotz des Sieges von einem schlechten Spiel gegen Brakel. Gewinnt mal als Spitzenmannschaft auch die weniger guten Auftritte und hat das entsprechende Spielglück?

Rüschenpöhler: Meiner Einschätzung nach war es am Sonntag einfach ein allgemein schlechtes Spiel, zu dem beide Mannschaften viel beigetragen haben. Es ähnelte ein bisschen einem Pokalspiel. Brakel war hochmotiviert, was völlig legitim ist. Wir hatten unheimlich viele technische Fehler drin, waren wenig konzentriert, im eigenen Ballbesitz fahrig und technisch schwach. Wirklich gefährdet habe ich das Spiel aber nicht gesehen, die Torchancen Brakels waren in der zweiten Halbzeit überschaubar, daher würde ich nicht von Spielglück sprechen. Wir haben trotz ausbaufähiger Leistung dennoch gewonnen, was irgendwie für uns spricht. Gleichwohl ist es unser Anspruch besser zu spielen, denn mit einer guten eigenen Leistung steigt die Chance auf ein erfolgreiches Ergebnis erheblich.

Was ist von euch in dieser Spielzeit noch zu erwarten. Kann es mit der jungen Truppe noch ganz nach vorne gehen, oder ist das Utopie?

Rüschenpöhler: Der Sprung ganz nach vorne ist aktuell eine Utopie, so realistisch schätzen wir uns schon ein. Ich denke alle bei uns können uns selbst, unsere Situation mit Stärken und Schwächen und alles Drumherum schon vernünftig einordnen. Wir sind in einem einzelnen Spiel in der Lage, alle Mannschaft auf Bezirksligaebene zu schlagen, das haben wir in dieser Saison sowie in den Jahren zuvor bewiesen, doch auf Dauer sind wir (noch) kein Spitzenteam, werden es vielleicht zukünftig.

Womit bist du als Trainer bisher grundsätzlich einverstanden – wo gab es eine erkennbare Weiterentwicklung und was hat dir in den bisherigen Spielen missfallen?

Trainer Markus Rüschenpöhler schätzt die Lage realistisch ein

Rüschenpöhler: Immer bestens sind die Grundtugenden, die zwar von jedem Fußballspieler der Welt erwartbar sind, bei uns jedoch schon hervortreten. Wir sind immer top motiviert und willig alles zu geben. Selbst in schlechten Spielen kann ich meiner Mannschaft in dieser Hinsicht nichts absprechen. Wenn es dann nicht zu Erfolgen reicht, fehlt es eher an anderer Stelle. Der Spirit ist gut, ich habe auch das Gefühl, dass sich die allermeisten von uns bestmöglich auf ein Spiel vorbereiten, um in diesem Vollgas geben zu können. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine No-Budget Truppe haben. Alle Spieler spielen bei uns, weil sie Lust haben, für uns aufzulaufen und zu trainieren.


Ob wir uns weiterentwickelt haben, kann ich nicht richtig beurteilen. Durch die beiden langen pandemiebedingten Pausen ist die Qualität vieler Teams nicht gerade gestiegen. Bei uns sind zwar alle heiß, der ein oder anderer musste aber viele Dinge wieder verinnerlichen, sei es das grundsätzliche regelmäßige Training oder die technischen oder taktischen Skills. Da wir in dieser Gesamtkaderkonstellation allerdings jetzt seit geraumer Zeit zusammen sind, treten wir als Team auf, verstehen uns untereinander und bilden einfach eine nette, sympathische Truppe, in der es Spaß macht, Fußball zu spielen und in der all unsere Spieler gerne spielen.

Erfreulich für mich persönlich und ich denke auch für das gesamte Team ist die Konstellation mit Dennis Wieder als Co-Trainer und Martin Sander als Betreuer. Dafür, dass wir uns vor Saisonbeginn kaum bis gar nicht kannten, haben wir gut zueinander gefunden und bilden eine Einheit, die vertrauensvoll funktioniert und Freude bereitet. Dennis und Martin sind extrem engagiert, weit über ihre eigentliche Positionsbeschreibung hinaus. Solche Menschen bereichern den Amateursport.

Missfallen haben mir einige Dinge, die allerdings rein sportlicher Natur sind und den Rahmen dieses Gesprächs deutlich sprengen würden. Wünschenswert wäre für mich eine deutlich geringere Fluktuation im jeweiligen Spieltagskader. Durch mehr Konstanz in diesem Sektor wäre eine Weiterentwicklung schneller und leichter voranzutreiben. Gemeinsam trainieren ist nämlich das eine, sportlich wachsen kann man hauptsächlich in den Spielen.

Wie beurteilst du bisher im allgemeinen das Geschehen in der Staffel 3. Einen Alleingang einer Elf scheint es nicht zu geben, es sieht nach einer engen Geschichte in dieser Saison aus. Auf wen würdest du als Meister setzen?

Rüschenpöhler: Ja, tatsächlich gibt die Liga in vielen Bereichen ein relativ enges Tabellenbild ab, insbesondere um uns herum kann es an einem einzelnen Spieltag zu einigen Positionsverschiebungen kommen. Ich bleibe bei meiner Einschätzung von vor Saisonbeginn und sehe den Post TSV Detmold nach wie vor als großen Favoriten und gehe davon aus, dass sie schlussendlich souverän Meister werden. 


Für die Spannung und Attraktivität der Liga wäre es wünschenswert, wenn der SV Dringenberg und evtl. der SV Höxter als erste Verfolger lange oben dabei bleiben werden. Sven Schmidt, meinem Trainerkollegen aus Dringenberg, den ich bereits viele Jahre kenne, würde ich es zwar ebenfalls gönnen, gehe aber momentan davon aus, dass es für seine Truppe nicht für ganz oben reichen wird. Auch wenn in dieser Liga an einem einzelnen Tag fast jeder jeden schlagen kann, bin ich von einigen deutlichen Ergebnissen schon überrascht und zum Teil enttäuscht.

Ergebnisse wie ein 11:0, 10:1, 9:0, 8:0, 8:1 kommen mir zu häufig vor und sind für eine überkreisliche Liga kein Qualitätsmerkmal.

Kommentieren