Der Trainer spricht

"Mich stört die Respektlosigkeit gegenüber den Vereinen"

14. Oktober 2020, 12:21 Uhr

Andreas Niemann ist von der Trendwende überzeugt

In der Kreisliga A, Gruppe 1 rangiert die SG Kollerbeck/Rischenau bisher gewaltig hinter den Erwartungen und auch den Prognosen der Experten zurück. Das hat laut Trainer Andreas Niemann allerdings Gründe, wie er im Gespräch mit FubaNews erläuterte. Die Spielgemeinschaft konnte in den bisherigen fünf Partien erst drei Zähler sammeln und noch keinen Sieg erringen. Wir haben mit dem Höxteraner Trainer in Diensten der SG, versucht dies zu analysieren.  

Hallo Andreas. Was ist los bei der SG. Bisher noch kein Sieg, nur drei Zähler. Muss man sich sportlich Sorgen machen?

Es sind jetzt fünf Spiele absolviert und wir alle wissen es bei der SG, dass die Leistung durchwachsen waren.
Die zwei Spiele zu Hause gegen Bad Driburg und Bühne / Körbecke hätten wir auch gewinnen können / müssen. Das waren taktisch, wie spielerisch, gute Spiele von uns. In Bonenburg geht das Unentschieden voll in Ordnung.

Die Auswärtsspiele in Würgassen oder in Brenkhausen hätten wir bereits in der ersten Halbzeit klar für uns entscheiden müssen. So hält man das Spiel mit den Ergebnis von 1:0 lange offen, und am Ende bekommst du dann ein Gegentor und stehst dann praktisch mit leeren Händen da.

Was mich wirklich nur stört, ist von manchen Leuten die Respektlosigkeit gegenüber den Vereinen, die die letzten Jahre im Tabellenkeller stehen. Da bekommt man dann oft zu hören, das die drei Punkte ja klar wären, dass es dabei nur um die Höhe geht. Jede Mannschaft steht, spielt aktuell in der A-Liga und auch jede Mannschaft kann jeden an einen guten Tag schlagen. Das ist Fußball, so soll es sein und darum lieben wir ihn.

Ihr wurdet vor der Serie von vielen als einer der Aufstiegskandidaten gehandelt. Davon seid ihr derzeit ganz weit weg. Wie erklärt sich die aktuelle Lage bei euch. Wo sind die Gründe zu suchen?

Das habe ich vor der Saison auch gelesen und auch viele Trainer haben es mir, im Sommer, vor den Trainingsspielen auch gesagt. Wir sind noch eine junge SG, die nach ihrer Zusammenlegung direkt ein sehr gutes halbes Jahr hatten. Leider hat uns im März dann die Epidemie (wie alle auch) getroffen und somit war die Saison gelaufen.


Im Trainingslager was wir noch im Februar 2020 abhielten, sagten mir die Spieler Michael Meyer, Lukas Meyer, Marc Neumann, Jan Dyballa, Torben Rehker, Stefan Biastoch und Tore Schäfer das sie aus verschiedenen Gründen nicht mehr spielen und aufhören möchten. Das sind natürlich Spieler, die über mehrere Jahre oder Jahrzehnt zusammen gespielt und die Vereine gelebt haben. Solche Spieler kann man nicht direkt eins zu eins ersetzten. So fehlen halt die in manchen Spielen die erfahrenen Spieler, die eine Mannschaft lenken und Impulse setzen kann. Alle sieben Spieler waren noch vor der Corona Zeit Stammspieler.

Es steht jetzt eine komplett verjüngte Mannschaft auf den Sportplatz, die sich im Training und in den Meisterschaftsspielen finden muss. Es müssen neue Häuptlinge her, es muss mehr gesprochen werden und alle müssen jetzt mehr Verantwortung übernehmen. Das ist jetzt eine Findungphase in der jungen SG.

Zur Zielsetzung. Die Meisterrunde sollte es schon sein. Oder hast du dich von diesem Ziel schon verabschiedet?

Natürlich will jeder sein eigenes Fußballspiel gewinnen und damit ist das Ziel Meisterrunde schon genannt. Schon in den ersten Trainingsspiele oder Einheiten habe ich gemerkt, dass es durch die Abgänge kein Selbstläufer wird, dass es wirklich eine schwierige Saison werden kann. Das habe ich mit den beiden Vorständen, sowie mit der Mannschaft besprochen. 


Wir müssen jetzt nur aufpassen, trotz der Findungsphase, dass wir nicht den Anschluss verpassen und in einen Negativstrudel reingeraten, wo dann alles hinterfragt und nur das Negative gesucht / gesehen wird. Wir werden weiter intensiv im Training arbeiten, um dann gemeinsam aus der Findungsphase zu kommen.

Erst fünf Treffer stehen zu Buche. Ist die derzeitige Misere auf ein mögliches Offensivproblem zu reduzieren, oder wäre diese Betrachtungsweise zu einfach?

Das wäre wirklich viel zu einfach.

Ich hinterfrage mich nach jeden Spiel, ob es die richtige Aufstellung, die richtige Taktik oder ob ich die Mannschaft auf das Spiel richtig eingestellt habe. Wir schauen als Team was man besser, oder was man verändern muss. Die Offensive lebt immer von den Bällen die von der Defensive oder aus den Mittelfeld kommt. Wir haben uns in den letzten fünf Spiele, so viele Torchancen heraus gespielt, das man die Spiele auch gewinnen konnte. 


Wir haben eine junge Offensive, die viel Talent mit sich bringt. Sie dürfen sich aber auch nicht unter Druck setzten und Tore dürfen ruhig auch die Defensive oder das Mittelfeld erziehlen. Wir haben in jeden Mannschaftsbereich so viel Qualität, das wir uns Torchancen heraus spielen können, nur das Verwehrten der Chancen muss besser werden. Das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, obwohl das niemand mit Absicht macht.

Was stimmt dich zuversichtlich, das es kurzfristig wieder besser läuft? Ist eine Rückkehr von derzeit pausierenden Leistungsträgern wie Schäfer, Biastoch, Meyer etc. der letzten Spielzeit denkbar oder realistisch?

Wir haben einen Kader von 20 Spieler und wir trainieren im Durchschnitt mit 14 Feldspieler und 2 Torleuten. Das ist eine sehr gute Beteiligung und wir trainieren auch sehr gut. Wenn wir so weiter trainieren, wird sich das auch bald in den Spielen zeigen. Ich bin ja auch mit den Training und Spielen zufrieden. Ausnahme die letzten 20 Minuten in Würgassen und die komplette zweite Halbzeit in Brenkhausen...

Vielleicht werden zwei Spieler, die aus persönlichen Gründen kürzer oder gar nicht mehr da waren, nach dem Winter wieder anfangen. Eine kurze Rückkehr von Spieler die aufgehört haben, ist nicht geplant. Wir müssen einfach die Ruhe bewaren, weiter gut trainieren und als Mannschaft auftreten. Ich bin überzeugt das dann der Erfolg zurück kommt.

Ich hoffe, dass wir durch die aktuellen Fallzahlen trotzdem weiter Amateur Fußball spielen können. Bleibt wachsam und Gesund.

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