Dölitzsch historischer Moment

Vertrag auf der Autobahn Raststätte unterschrieben

01. Mai 2021, 22:40 Uhr

Norbert Dölitzsch (links) und der aktuelle SCP Profi Chris Führich

Norbert Dölitzsch hat schon so manches erlebt in seiner langen Fußballer Karriere. Ein Moment ist aber absolut historisch. Diesen erlebte der Ex-Profi 1982 in Paderborn. Seit 1995 hat der Bergheimer auch im Sportkreis Höxter mit seinem ersten Engagement beim damaligen Landesligisten SV 21 Steinheim seine Spuren hinterlassen, zahlreiche Erfolge und Aufstiege zieren die Vita des Hannover 96 Fan, der auch mit 66 Jahren als Trainer des Bezirksligisten SpVg Brakel II noch im Geschäft ist.

Das Tor was ein historischer Moment

Wir schreiben den 14. August 1982. Ein Eckball von Pedro Aguilar fliegt in der 67. Spielminute in den Strafraum von Union Solingen. Norbert Dölitzsch reagiert am schnellsten. Er zieht mit seinem starken linken Fuß ab. Die Kugel flutscht durch die Abwehrbeine. Auch Torwart Helmut Pabst hat das Nachsehen. Er war nicht das schönste Tor, das der Neuzugang von Arminia Hannover für den frisch gebackenen Zweitligisten TuS Schloß Neuhaus erzielt hat. Aber es war ein historischer Moment: der erste Treffer einer Paderborner Fußballmannschaft in der 2. Bundesliga.

Das Datum dieses Premieren-Tores wird wohl noch lange an diesen Augenblick erinnern. Ausgerechnet der 14. August - der Gründungstag des ersten SCP 07 Vorgängervereins Arminia Neuhaus. Freilich waren da schon 75 Jahre vergangen, denn der SC Paderborn 07 geht bekanntermaßen auf das Jahr 1907 zurück. Siebeneinhalb Jahrzehnte dauerte es, bis ein Club aus der Region Paderborn den Sprung in den Profifußball schaffte. Am ersten Spieltag gingen die Schlossherren – wie die Mannschaft in den Medien damals genannt wurde – beim 0:2 gegen Waldhof Mannheim noch leer aus. Das Tor von Dölitzsch reichte in der zweiten Begegnung der Saison zur Punktpremiere beim 1:1 in Solingen.

Fünf Zweitligatore in 37 Spielen

Im zweiten Spiel das erste Tor. Ein perfekter Einstand für den 1,85 Meter großen Mittelfeldspieler, der vier Jahre beim TuS bleiben sollte. Legendär ist im Übrigen auch die Verpflichtung von Dölitzsch, der in der Aufstiegsrunde gegen den SV Lüttringhausen und den TuS Schloß Neuhaus traf – und trotzdem mit Arminia Hannover scheiterte. Kurz darauf bekam er einen Anruf aus Paderborn. Es folgt ein Treffen auf halber Strecke, noch auf dem Autobahn-Rastplatz Bad Eilsen unterschrieb er seinen Vertrag. Beim TuS absolvierte er 37 von 38 Zweitliga-Spielen und avancierte mit fünf Treffern zum drittbesten Torschützen. In der Regionalliga trug er später sogar die Kapitänsbinde, die Prämien-Verhandlungen und Gespräche mit Präsident Josef Peitz sind ihm in lebhafter Erinnerung geblieben.

„Ich bedaure schon, dass es von diesem Tor keine TV-Bilder gibt“, sagt Dölitzsch. Bedauerlicherweise war das Fernsehen damals nur bei ausgewählten Profifußball-Spielen vor Ort Sein Ex-Verein wollte das erste Zweitliga-Tor der Vereinsgeschichte für die Nachwelt in bewegten Bildern festhalten und lud Norbert Dölitzsch dazu ins altehrwürdige Hermann-Löns-Stadion ein, um den Treffer nachzustellen. Chris Führich, aktueller SCP Profi und Schütze des 500 Paderborner Zweitligatores, bringt die Ecke in den Strafraum, der heute 66-jährige Dölitzsch legt sich quer in die Luft und wuchtet den Ball wie damals ins Netz. „Du hast seit dem Jahr 1982 ja nichts verlernt“, ruft Führich seinem Jubiläumstor-Vorgänger dabei von der Eckfahne zu. 

Erfolge im Sportkreis Höxter

„Es war schon eine tolle Zeit. Sportlich war Paderborn die beste Station in meiner Laufbahn“, schaute Dölitzsch an alter Wirkungsstätte gerne zurück. Das erste Jahr endete zwar mit dem direkten Abstieg aus der 2. Bundesliga, mehr war für den klaren Außenseiter in dieser Spielzeit aber auch kaum drin. Sein erstes Tor im TuS-Dress war übrigens kein Zufall: „Die Positionen beim Eckball waren schon damals einstudiert“. Seit 1966 war der frühere Niedersachsen-Auswahlspieler für viele Vereine am Ball. In seiner Jugend trug er auf einer 17-tägigen Afrikareise sogar das deutsche Nationaltrikot. Nach der großen Zeit in höheren Spielklassen gelang ihm als Spielertrainer mit dem TuS Ovenhausen der Durchmarsch von der Kreisliga B bis in die Bezirksliga (1998-1999 – mit beinahe 50 Jahren und scheiterte 2000, im dritten Jahr nur denkbar knapp am Landesligaaufstieg mit dem TuS Ovenhausen. Auch den TuS Vinsebeck (2006), und den FC Stahle (2016) brachte er in die Bezirksliga, den SV Höxter 2010 in die Landesliga. 


Textpassagen und Bild: SC Paderborn 07

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